Kettelsberg
Grüne Fachexkursion im Gehn am Kettelsberg
Schwerpunkte der Fachexkursion unter der Leitung von Forstoberinspektor Martin Meyer Lührmann waren:
Besitzstrukturen im Privatwald, betriebswirtschaftliche Probleme, waldbauliche Problematik, allgemeine Waldschäden, sowie Auswirkungen durch den Tonabbau. In einem Kurzreferat zur Geschichte des Gehns erfuhren die Bramscher Grünen und ihre Gäste, dass dieses Gebiet - um 1580 noch als üppiger Wald beschrieben - durch die mittelalterlichen Nutzungsformen wie Holzeinschlag, Waldweide und Plaggenwirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, was zu einer nahezu vollständigen Auflichtung und den Rückgang der Vegetation führte.
Als Folge dieser jahrhundertealten Nutzung finden sich heute im Gehn Bereiche mit Zwergstrauch- und Wacholderheiden oder Borstgrasrasen.
Vor allem die durch die Tuchmacherindustrie verbreitete Schafhaltung (großer Bedarf an Wolle) verhinderte durch den scharfen Verbiss die Verjüngung des Waldes und förderte die Ausbreitung der Heide.
Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die so genannten Gehnmarken unter eine große Zahl von Nutzungsberechtigten aufgeteilt.
Eine sehr kleinparzellige Aufteilung auf viele Besitzer war die Folge.
Was schwierig für Verwaltung und Pflege schien, entpuppte sich als sehr vorteilhaft für die Naturräumlichkeit des Gehnwaldes selbst, denn die unterschiedliche Nutzung der schmalen Parzellen durch ihre Besitzer führte zu den heute so wertvollen und vielfältigen Strukturen, dem Nebeneinander unterschiedlichster Biotoptypen bzw. Biotopkomplexe.
Die Grünen bedauerten, dass knapp 20 ha im Bereich des Kettelsberges „als Kompromisslösung“ nach Klage des BUND für den Tonabbau freigegeben wurden.
Trotz hoher Verfahrenskosten im Vorfeld ließ sich damals die Abbaufirma Penter Klinker nicht von dem Vorhaben abbringen und bewirkte schließlich das Einverständnis zum Abbau.
In den Augen der Vorsitzenden des Bramscher Ortsverbandes, Annette Specht, bleibt nur zu hoffen, dass dieser „Schandfleck im Gehn“ tatsächlich keine langfristig veränderten hydrologischen Verhältnisse zur Folge hat, und die als FFH-Bereiche ausgewiesenen Bäche und Senken nachhaltig schädigt.
Skeptisch beurteilen die Bramscher Grünen zudem die beschlossenen Hilfsmaßnahmen, sollten Borgbeeke und Brunnenwiesenbach in Folge des Bodenabbaus trocken fallen.
Bleibt nur zu hoffen, dass die angedachten Überprüfungen des Wasserstandes im Bereich des Abbaugebietes engmaschig genug sind und im Ernstfall die angedachten Notmaßnahmen (Bewässerung durch Rigolen bzw. Rieselschläuche) auch funktionieren.
Sehr positiv bewerten die Bramscher Grünen, dass das nach Kyrill kalamitätsgeschädigte Fichtenholz beseitigt und durch standortgerechte Laubbäume ersetzt wird; auch entstehen neue Feuchtgebiete, durch Abholzen der alten Nadelbestände und Wiederaufforstung mit Erlen.
Ein großes Lob gilt den Waldbesitzern die trotz erheblicher finanzieller Aufwands bemüht sind ihre Wälder in Laub und Mischwälder umzuwandeln.
Dass dies so reibungslos gelingt, sei Ausdruck der guten Zusammenarbeit zwischen dem Forstamt Osnabrück und den Privatwaldbesitzern.







